Gespräch unter Weibern

oder

Ein Dalmatinerleben ist ereignisreicher als man denkt

 

Manchmal schleppt sich das Leben dahin wie eine kleine, rote Schnecke. Das ist bei uns Hunden nichts anderes als bei Euch Menschen. Ich glaube aber, ihr Zweibeiner denkt, eine Hundedame wie ich hätte den ganzen Tag nichts anderes zu tun als zu essen, zu schlafen und darauf zu warten, daß Herrchen oder Frauchen mit mir (und meiner Schwester) spazieren geht. Es liegt in der Natur der Dinge, daß wir Halsbandträger in unseren Aktivitäten auf unsere Leinenhalter angewiesen sind, das heißt aber noch lange nicht, daß wir nicht unsere eigenen Vorstellungen von Freizeitgestaltung haben.

Um auf den Punkt zu kommen: im letzten halben Jahr ist eine Menge in meinem Freundes- und Familienkreis passiert, und ich finde, das sollte ich auch mal erzählen. Da war zum Beispiel unser großer Dalmatiner - Wandertag im April. Leider konnten meine Schwester und ich nicht persönlich daran teilnehmen, ich war läufig und meine beiden Zweibeiner waren nicht besonders begeistert von der Idee, daß ich die ganzen Rüden meines Bekanntenkreises bei dieser Gelegenheit aufmischen würde. Was mir meine Mutter Branka aber im nachhinein von diesem "Event" - jedes Jahr ein Höhepunkt in unserem gesellschaftlichen Leben - erzählte soll nicht unerwähnt bleiben.

 

Die Organisation hatte dieses Jahr die Züchterin Gisela Reichard und der Züchter Heinrich Fiedler übernommen. Treffpunkt für meine vierbeinigen Artgenossen und ihre Begleitung war in Sondheim in der fränkischen Röhn am Gasthof Weimarischer Hof (hier hatten natürlich auch wir Vierbeiner Zutritt). Es ist wirklich eine Schande, daß Chiara und ich nicht dabei sein konnten, immerhin war es ein riesiges Familientreffen. Es waren 34 Mitglieder unserer edlen Rasse anwesend (viele aus unserer nächsten Verwandschaft!), und nur zu gerne hätten wir uns die jüngsten Familienmitglieder angesehen, die zu diesem Zeitpunkt gerade mal 15 Wochen alt waren und für die ihre zuvorkommenden und rührigen Zweibeiner extra einen Bollerwagen mitgebracht hatten um sie mit dem Spaziergang nicht zu überfordern - offiziell hieß es natürlich, der Wagen sei für die kleinen Zweibeiner, aber machen wir uns doch nichts vor...., Platz hatte jedenfalls jeder, egal welcher Spezies zugehörig, wenn ihm der Weg zu lange wurde. Begleitet wurden meine Verwandten von 44 Erwachsenen und 11 Kindern, und Branka erzählte mir, das sei ein neuer Rekord gewesen. Aus dem ganzen Land, von Coburg, Schweinfurt über Würzburg und Kassel bis aus unseren (schwäbischen) Breite waren Hund und Mensch angereist, und ich kann mir vorstellen, was bei der Begrüßung los war. Nach dieser ersten Zeremonie ging es dann um 10.30 Uhr los, das Wetter sei befriedigend gewesen - laut Branka - und so machte es allen Beteiligten einen Riesenspaß zuerst die neugierigen Bewohner der Gegend zu passieren und anschließend die Felder, Wiesen, Bäche und Wege zu erkunden. Wie es sich für unseren Familienkreis gehört, ging alles ganz friedlich über die Bühne, niemand wurde gebissen oder angerempelt, und auch wenn das Anleinen die "Kröte" ist, die es für uns Vierbeiner immer irgendwann zu schlucken gilt, habe es bei diesem Spaziergang keinerlei Zwischenfälle in dieser Richtung gegeben. Nach zwei Stunden war für uns gepunktete Freunde die Toberei zu ende, Branka meinte, das sei auch wahrlich genug gewesen, erschöpft und zufrieden hätte sie sich mit unseren Verwandten zurückgezogen während unsere Menschen noch einiges zu bereden gehabt hätten.

 

Oh, einen Moment, meine Zweibeiner rufen mich, schließlich fahren wir jetzt dann noch in Urlaub. Es tut mir wirklich leid, aber ich muß mich kurz fassen.

 

Nachdem meine "Empfängnisfähige Zeit" vorüber war, fand im Garten meines Herrchens dann endlich eine Party statt, an der ich auch teilnehmen konnte. Chiara machte mir die ganze Zeit schon Vorwürfe daß ich daran schuld sei, daß sie gar nichts mehr vom öffentlichen Leben mitkriegt. Aber das blüht ihr schließlich auch noch! Zurück zu der Party. Acht Menschen und 10 Hunde machten sich also im Garten breit, und als meine Schwester eintraf, staunte ich nicht schlecht. Im Schlepptau hatte sie einen Rüden, und als wir nach dem üblichen Spielen und Toben eine ruhige Minute zum Klönen fanden, erzählte sie mir die große Neuigkeit: sie ist schwanger. Ich werde also Tante, meine Verwandschaft wächst unaufhaltsam. Ist aber eigentlich kein Wunder, sind wir doch die schönsten und besten innerhalb unserer Gattung. Wie auch immer, ich habe jetzt keine Zeit mehr, wir fahren. Wohin? Na nach Tirol auf die Müllner-Alm, wohin sonst. Mal sehen, wie die Gegend ohne Schnee aussieht, von Chiaras und meinem Winterurlaub hatte ich ja bereits berichtet. Natürlich werde ich euch auch diesmal informieren, aber jetzt erstmal schnell ins Auto,

 

bis bald, Eure

Balea


 
 

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Letzte Änderung 09.08.1999