Zwei Dalmatiner auf Reisen

 

Frauchen und Herrchen wollten Urlaub machen - nun, da wir beiden den Welpenschuhen endlich entwachsen waren. Und weil es für unsere beiden Menschen ein Urlaub mit uns werden sollte, dem nicht unbedingt ein Urlaub von uns folgen sollte, mußten Susanne und Helmut (bei diesen Namen rufen sie sich gegenseitig ) nach etwas passenden suchen. Die Lösung unseres Urlaubsproblemes (entspricht "Urlaub ohne Probleme") war nach der Lektüre einer einschlägigen Hundezeitung schnell in Sicht:

Die Müllner - Alm.

 

 

Eine kleine aber feine Pension bei Oberndorf in Tirol, auf 1200 Metern gelegen, das hörte sich gut an. Begeisterung löste die Tatsache aus, daß dort Hunde nicht nur geduldet, sondern sogar ausdrücklich erwünscht sind. Meine große Schwester Balea und ich wären am liebsten sofort losgefahren, das ungemütlich matschige Schwaben bereitete weder uns noch unseren Leinenträgern besonders großes Vergnügen bei unseren Touren. Doch wie die Menschen nun mal sind mußten sie reden, telephonieren, planen, packen und eben all diese Dinge, die wir schon lange hinter uns gelassen haben. Vier Tage hatten sich unsere Menschen frei genommen, und als sie es endlich geschafft hatten, sich reisefertig zu machen, ging es los. Wir hatten es uns hinten im Wagen gerade richtig gemütlich gemacht, schon brauchten Frauchen und Herrchen die erste Pause. Echt, von Augsburg aus hätten wir die Strecke locker in drei Stunden hinter uns gebracht - für uns beiden Dalmatinerdamen ohne Blasenschwäche überhaupt kein Problem, aber nein, diese Menschen brauchen einfach ihre Pausen. Zum Thema Anreise sei noch erwähnt, daß man nicht einmal ein "Pickerl", im Winter jedoch Schneeketten benötigt. Als sich die Klappe unseres Autos öffnete, waren wir im Schneehimmel. Doch anstelle nun endlich durch den meterhohen weißen Segen toben zu dürfen war erst einmal "einchecken" angesagt. Schnell wurde Balea und mir klar, warum sich unsere lieben, treu sorgenden Halter dieses Plätzchen für uns vier ausgesucht hatten. Auf unserem Zimmer wartete für uns ein gemütliches Körbchen, unsere Menschen dagegen mußten in diesem großen Bett schlafen. Selbst der Zimmerservice war auf unsere Bedürfnisse abgestimmt, wenn wir von unserem Morgenspaziergang nach Hause kamen, waren nicht nur die Körbchen gemacht, sondern drinnen lagen auch noch für jeden ein Leckerli.

 

Sauber gespült standen zwei Futternäpfe bereit von unseren zweibeinigen Dosenöffnern befüllt zu werden - schließlich vertrauen wir nicht auf eine Großküche, wer weiß schon, was die einem vorsetzen. Unser Essen hatten Frauchen und Herrchen also brav mitgebracht, sie selbst jedoch lieferten sich dem Essen gnadenlos aus, das ihnen - wahlweise als Frühstück oder Halbpension im Zimmerpreis enthalten - vorgesetzt wurde. Ihre Gesichter und der immense Appetit, den sie an den Tag legten, ließen uns jedoch vermuten, daß auch sie mit ihrem Futter zufrieden waren. Das ist nämlich noch das nächste, unsere Beobachtungen in dieser Sache konnten wir ganz entspannt an der Seite unserer Menschen im Speisesaal machen, dort waren wir nämlich auch "zugelassen". Während sich die Zweibeiner verköstigten konnten wir unter dem Tisch auch unsere sozialen Kontakte pflegen - kaum einer der Gäste war ohne seinen treuen Vierbeiner gekommen. Und weil man/Hund im Urlaub und ganz entspannt ist konnten wir auch auf dieses leidige Gebälle, Geknurre und Gezanke verzichten, das den Alltag sonst bestimmt. Auf die Leine wollten unsere Halter dennoch nicht verzichten, wer weiß schon, wie gut erzogen unsere Kollegen sind. Unsere Zweibeiner hatten keine Ambitionen, sich diese seltsamen, langen und rutschigen Bretter an die Füße zu schnallen. Die beiden Berner Sennenhunde die sich für`s Haus und den Umgang mit den Menschen mit den Scheckkarten eine sogenannte "Wirtsfamilie" halten, erzählten uns, im Winter würden ziemlich viele dieser Zweibeiner kommen um mit besagten Brettern auf dem Schnee herunterzurutschen anstelle durch ihn hindurchzutoben. Um diese Leute auf den Berg hinaufzutransportieren, von dem sie dann wieder in Schlangenlinien herunterkommen, sei genau vor der Haustüre auch diese Konstruktion, die sich Lift nennt. Unseren Artgenossen sei das jedoch zu dumm, sie würden lieber noch auf dem Zimmer ein Schläfchen machen während ihre Menschen draußen spielen gehen. Weiteres interessierte uns dann auch garnicht, wir gingen lieber mit Frauchen und Herrchen zusammen im Schnee spielen, sie hatten solche Bretter nicht mitgebracht. Sichtlich erfreut zeigten sich Susanne und Helmut darüber, daß auf dem Zimmer eine Wanderkarte lag. Dort waren Wanderstrecken aufgezeichnet und sogar mit Kommentaren versehen, die von kleinen und großen Hunden bewältigt werden können. Haben diese Leute doch tatsächlich mit Vertretern unserer Gattung diese Wege abgegangen, sehr aufmerksam, wirklich. Kann ja nicht jeder so unermüdlich im Rennen und Springen sein wie wir beiden Dalmatinerdamen.

Im weiteren verlebten wir vier zusammen eine grandiose Zeit im Schnee und in der warmen Stube. Wieder ins zwar auch kalte, aber nasse und schmutzige Flachland zurückzukehren, fiel uns allen schwer. Aber was soll`s, wir mußten unsere Menschen schließlich wieder zur Arbeit schicken - irgendwer muß ja das Geld für unseren nächsten Urlaub verdienen.

 

Eure Chiara


P.S.
Wenn Ihr Lust habt mit Euren Dosenöffnern hinzufahren, hier ist die Adresse:
Müllneralm
Fam. Stöckl
A-6372 Oberndorf/St. Johann in Tirol
Tel.0043 5352 63672
Fax 0043 5352 61991


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Letzte Änderung 06.02.1999